Nun
wissen wir wo Jonsdorf liegt! ____________________________
Jonsdorf
ist der Ort wo wir das 100jährige Bestehen des Sondervereins der
Gimpeltaubenzüchter gefeiert haben und alle die dabei waren wissen jetzt wo
Jonsdorf liegt. Sie wissen aber auch was in Jonsdorf los war und alle zu Hause
gebliebenen haben etwas verpasst.
Alle die kamen wurden belohnt eine Ecke, besser
einen Zipfel Deutschlands, kennen zu lernen der durchaus als Kleinod zu
bezeichnen ist. Das Zittauer Gebirge, geprägt durch Sandsteinfelsen, hat nicht
nur seine optischen Reize, auch die Herausforderung einen solchen Felsen zu
bezwingen hat seinen Reiz. Selbst unsere Züchterfrauen konnten dem nicht
wiederstehen und erklommen den Nonnenfelsen in unmittelbarer Nähe unseres
Hotels „Gondelfahrt“.
Natürlich gab es für
diese Mühen auch ent- sprechenden Lohn, in
Gipfelnähe wartete ein „Caffè“ um die verbrauchten Kalorien wieder zu ergänzen.
Wie
alle Jahre fand auch in Jonsdorf schon am Donnerstag die Vorstandssitzung und
am Freitag die erweiterte Vorstandssitzung statt. Das heißt der Vorstand reiste
einen Tag eher an und Punkt 14:00 Uhr war dieser auch vor Ort und begann auch
gleich, ohne große Vorrede, mit der Arbeit. Eigentlich war für 18:00 Uhr das
Abendbrot mit unseren Frauen geplant aber die Arbeit noch nicht erledigt. Nach
18:30 Uhr wurde aber dann Feierabend gemacht und beschlossen den Rest am
nächsten Vormittag abzuarbeiten. Bevor am Freitag dann die erweiterte
Vorstandssitzung begann, sprich die Obmänner der Arbeitsgruppen hinzu kamen,
wurden also noch alle offenen Sachen geklärt. Auch mit den Gruppenobleuten
wurde es nicht langweilig, es wurde zum Teil recht heftig diskutiert und
trotzdem ein gemeinsamer Nenner gefunden.
Das wichtigste aber was
am Freitag passierte war die Anreise der Gäste. Und sie brachten etwas
Wunderbares mit – wunderschönes Wetter! Nachdem es das gesamte Frühjahr eher
kühl und regnerisch war kam uns der Sonnenschein an diesem Wochenende gerade
recht. Somit stand unserem geplanten Grillabend nichts entgegen und wir konnten
den lauen Abend wunderschön im Freien genießen. Nach gutem Essen passt dann
auch etwas Kultur, bei der man gut verdauen kann. Zu dem schönen Fleckchen Erde
in der Oberlausitz gehört ein Menschenschlag der eher als gemütlich, wie eben
die Sachsen so sind, einzustufen ist. Dazu gehört auch noch eine eigene Mundart
und diese wurde uns auf schöne und lustige Art und Weise vom Traditionsverein
Jonsdorf zu Gehör gebracht.
Ein Ohren- schmaus bei dem
die 68 anwesenden Züchter und Züchterfrauen auch die Ohren spitzen mussten -
- um alles zu verstehen.
Der
Samstag sollte dann der Höhepunkt unseres Treffens zum 100jährigen werden.
Wie
kam es eigentlich dazu dass ausgerechnet in Sachsen die 100 Jahrfeier
stattfinden sollte? Die Sachsen hatten sich bereit erklärt das Sommertreffen
2010 auszurichten, mit bedacht. Zum Sommertreffen 2009 in Apfelstedt beschloss
die erweiterte Vorstandschaft das die Sachsen die 100 Jahrfeier zum
Sommertreffen in Jonsdorf ausrichten sollten, die Sachsen wehrten sich (nicht
wirklich). Wieso? Weil die Sachsen sind Macher und außerdem hat in Sachsen
nicht nur Geflügelzucht Tradition, auch nicht nur Taubenzucht Tradition sondern
in Sachsen wurde der SV der Gimpeltaubenzüchter gegründet. Schlussendlich und
eigentlich auch selbstverständlich fand der SV somit zurück zur Wiege! Weitere
Erklärungen können wir uns damit ersparen.
100 Jahre SV der Gimpeltaubenzüchter, das ist
etwas Besonderes und somit zurück zum Samstag, zum besonderen Samstag. Es war
längerfristig angekündigt, es wurde auch Werbung dafür betrieben und der SV
kann sich freuen dass diese Veranstaltung, dieses Wochenende, von den
Gimpeltaubenliebhabern so gut angenommen wurde.
Wir hatten den Samstagvormittag einmal anders
geplant als üblich. Als erstes mussten unsere Frauen auf ihre Männer verzichten
und wir auf sie.
Unsere Frauen wurden mit
dem „Oybin-Express“ am Hotel abgeholt und erkundeten das Zittauer Gebirge. Da
Frauen doch gelegentlich eher mal frösteln haben wir gedacht wir sorgen erst
einmal für wohlige Wärme. Schönes Wetter war zwar schon aber als unsere Frauen
das Schmetterlingshaus besuchten wurde ihnen richtig warm.
Ich glaube nicht dass es
am Anblick der kleineren und größeren bunten Flattertiere lag, die sie umflogen,
sondern eher an den tropischen Temperuren die diese Tiere benötigen um sich
wohl zu fühlen. Wieder im „Oybin-Express“ ging es weiter bergauf und bergab,
durch Orte und an Sehenswürdigkeiten vorbei die erklärt und umfassend vom
Fahrer beschrieben wurden. Dann ging es noch einmal richtig bergauf, das
erklärte Ziel war in Hain die „Kammbaude“ wo wir uns alle zum Mittagessen
treffen wollten.
Doch
die Männer wollten diesmal nicht Land und Leute kennenlernen, sie hatten
anderes vor, bzw. waren sie zu etwas anderem eingeladen. Wie wäre es denn mal
mit Schulbank drücken? Schule der besonderen Art. Freiwillig und mit Dozenten
erster Güte wenn es um unsere Gimpeltauben schlechthin geht.
Genetik,
Geschichten und Geschichte!
In selbiger Reihenfolge vorgetragen von niemand
geringerem als Prof. Axel Sell, Prof. Joachim Schille und unserem Heinrich
Schröder. Fangen wir mit der Genetik an, ein Thema wo sich bei der Gimpeltaube
erst in jüngerer Zeit jemand in Deutschland herantraut. Hinlänglich bekannt ist
das Herr Prof. Sell sich unseren Tauben angenommen hat und auch schon
verschieden Abhandlungen darüber verfasst hat. Nachzulesen sind diese
vorwiegend auf seiner Homepage. Eine Stunde geballtes Wissen so wunderbar
erklärt das auch wir dies nicht nur erfassen konnten sondern es uns auch noch
an praktischen Beispielen erklärt und somit nachvollziehbar wurde.
Herr Prof. Sell stellte
uns seine Präsentation, um nachzulesen, zur Verfügung. Die Nachfrage war
riesig
und sie ist im „Archiv“ und hier auf unserer
Homepage zu finden
Ebenso
lehrreich weil komplett neu für uns waren die Ausführungen von Herrn Prof.
Schille. Er schilderte uns sehr ausführlich seine persönlichen Beziehungen zu
den Gimpeltaubengrößen im Osten Deutschlands Kirchner und Eisenschmidt und weniger intensiv zu Sicker
und Giesecke.
Etwas
ganz Neues erfuhren wir aus Übersetzungen aus dem Russischen zu unseren
Gimpeltauben. Als Prof. Schille, aus schon sehr frühen Büchern, über die
Herkunft der Gimpeltaube zitierte und immer wieder der Ort Archangelsk
Erwähnung fand hatte man schon fast den Eindruck das jeden Moment der
endgültige Beleg der Herkunft uns zu Ohren kommt. Das hätte ja bedeutet dass
alles bisher Bekannte zum Ursprung unserer Gimpeltaube auf den Kopf gestellt
würde. Bis in die jüngere Zeit wurde in Russland, bzw. in der Sowjetunion, der
Ort Archangelsk als Entstehungsort genannt und die Gimpeltaube als alte
ursprünglich russische Rasse betrachtet. Nur im allerneuesten russischen
Taubenbuch wird die Gimpeltaube überhaupt nicht mehr genannt. Betrachtet man
noch die geografische Lage von Archangelsk ist es eher unwahrscheinlich dass
dort schon vom Klima her überhaupt Taubenzucht betrieben werden kann. Also doch
eher ein Wortspiel mit dem im englischen bezeichneten Archangel (Erzengel) für
die Gimpeltaube im Farbenschlag Kupfer Schwarzflügel.
Aber
aus dem Munde von Prof. Schille eine sehr interessante und spannende
Geschichte.
Es
hat lange gedauert bis wir überhaupt davon erfuhren dass es in Museen
Gimpeltauben gibt. Zu verdanken haben wir dies unserem Zuchtfreund Heinrich Schröder. Er
hatte ja schon im vergangenen Jahr einen Versuch gestartet alte
Gimpeltaubenbälge aus dem Naturhistorischen Museum Wien nach Speyer zum
VDT-Meeting zu holen. Dort Wollte dann Herr Hofrat Dr. Bauernfeind vom NHW auch
einen Vortrag zu Geschichte,
Aufbewahrung von alten Kulturgütern und Nutzung von Erkenntnissen in der
Neuzeit halten. Leider viel dies aus Gründen eines Unwetters in Österreich ins
Wasser. Heinrich Schröder ließ aber nicht locker und eine 100 Jahrfeier ist auch ein guter
Zeitpunkt um alte Gimpeltauben zu zeigen. Nachweislich und eindeutig erkennbar
als solche sind sie sogar doppelt so alt wie der SV. Sie stammen aus den
Volieren von Kaiser Franz dem I. von Österreich und wurden in den Jahren 1810
und 1817 im Museum abgegeben. Diese Tauben fanden unter doch erheblichen
Aufwand den Weg zu uns nach Jonsdorf und wurden auch mit großem Interesse in
Augenschein genommen. Da auch diesmal Dr. Bauernfeind leider nicht anwesend war
übernahm Heinrich Schröder die Erläuterungen zum Thema in Form einer
Präsentation. Alte Gimpeltauben gibt es aber auch in gar nicht allzu weiter
Ferne, schon in Dresden, Braunschweig und Oldenburg sind alte Gimpeltauben zu
finden. Dies fand Heinrich Schröder bei seinen Recherchen zu unserer Chronik
heraus, aber die ältesten sind tatsächlich in Wien zu finden.
Lernen
macht hungrig und außerdem wollten wir ja auch unsere Frauen wieder sehen.
Christian Kretschmer bestellte uns den Oybin-Express und wir fuhren ebenfalls,
wie schon unsere Frauen, zur Kammbaude um gemeinsam das Mittagessen
einzunehmen.
Der
Nachmittag stand zur freien Verfügung und wurde in unterschiedlicher Weise
gestaltet. Vom Eisbecher über wandern bis hin zur Entspannung und Vorbereitung
auf den Festabend konnte ein jeder nach seinem Belieben die Zeit verbringen.
Zum Züchterabend war für 19:30 Uhr eingeladen
und genau 70 Züchter und Züchterfrauen folgten der Einladung. Unser Festabend
war also gut besucht und konnte beginnen. Ein Festabend zum 100jährigen
Bestehen geht natürlich nicht ohne eine Eröffnungsrede. So sollte es auch bei
uns sein und unser Vorsitzender Volker Kraft ließ es sich auch nicht nehmen
Worte zum Verein der Vergangenheit, zum Verein der Gegenwart und zum Verein der
Zukunft zu finden.
Eine
100jahrfeier, bzw. ein Verein der 100 Jahre besteht, dem gebührt natürlich eine
Laudatio.
Wer hält nun eine Laudatio zu einem 100.
Geburtstag? Langjährige Verbundenheit zur Gimpeltaube und dem SV, Erfahrung in
der Zucht und Kenntnisse zur Geschichte des SV sollten schon vorhanden sein um
aussagekräftige Worte zu finden das Wirken und Sein des 100järigen gebürtig zu
würdigen. Mir fielen spontan gleich zwei unserer SV-Mitglieder ein und beide
sagten auch spontan zu dies zu übernehmen.
Heinrich Schröder und Klaus Gebhard
die schon im Vorfeld der Feier gemeinsame Arbeiten mit Bravour getätigt
haben
teilten sich auch in die Laudatio.
Erstgenannter
mit einem geschichtlichen Abriss und der Zweite nahm sich der Entwicklung der
Gimpeltaube über 100 Jahre an.
100-Jahrfeier SV der
Gimpeltaubenzüchter von 1910 – es gibt wahrscheinlich keinen besseren Anlass an
so einem festlichen Abend auch verdiente Mitglieder des SV zu ehren. So sollte
es auch sein und Volker Kraft schritt zur Tat und ernannte fünf Züchter zum
„Ehrenmitglied des SV der Gimpeltaubenzüchter“. Ehrenmitglied wurden die
Zuchtfreunde: Roland Gerth, Erich Dzwonkowski und Heinz Lochmann. Leider
konnten diese drei Züchter auf Grund ihres Alters, bzw. aus gesundheitlichen
Gründen, nicht anwesend sein.
Aber
zwei weitere Züchter waren zur Feier erschienen und Volker Kraft konnte unseren
2. Vorsitzenden des SV Zuchtfreund Klaus Letzerich und unseren Sonderrichter
Peter Rehde die Ehrenmitgliedschaft überreichen und ihnen dazu auch
gratulieren. Den fünf neuen Ehrenmitgliedern des SV auch von uns allen die
herzlichsten Glückwunsche, Gesundheit und vor allem noch recht viel Freude mit
ihren Gimpeltauben.
Nachdem
die offiziellen Sachen des Abends abgearbeitet waren folgte nun der gemütliche
Teil mit Tanz und Unterhaltung und vor allem wurde sich angeregt unterhalten.
Über vergangenes und aktuelles genauso wie etwa das was eventuell in Zukunft
sein wird.
Schön ist es dass wir an diesem Wochenende mit insgesamt 76 Gästen
schöne Stunden verbrachten und es auch allen in Sachsen zum 100. Geburtstag
gefallen hat. Für die Zukunft bleibt zu hoffen dass es den SV der
Gimpeltaubenzüchter auch die nächsten 100 Jahre noch geben wird und es
engagierte Züchter gibt die sich unserer schönen Gimpeltaube annehmen.
Nachweislich gibt es ja schon seit mindestens 200 Jahren Gimpeltauben, gezeigt
im Naturhistorischen Museum Wien, und erst jetzt schaffen es Züchter und
Wissenschaftler einige Erkenntnisse zur Genetik der Gimpeltaube zu erklären.
Beste Grundlagen wo uns für mindestens weitere 200 Jahre um die Gimpeltaube
nicht bange sein muss.
Am
Sonntag fand man sich dann wieder beim gemeinsamen und ausgiebigen Frühstück.
Verständlicherweise traten diejenigen die noch viele Kilometer vor sich hatten,
z.B. unsere belgischen Zuchtfreunde oder auch die an der Nordsee zu Hause sind,
recht bald die Heimreise an. Andere ließen sich etwas mehr Zeit und ein paar
blieben sogar noch einen Tag länger um noch einige Stunden zu entspannen. Auch
ich, der die gesamten Tage in die Organisation eingebunden war, gönnte mir mit
meiner Frau noch ein paar Schritte durch Wald und Flur bis… bis wieder einmal
das geliebte Telefon klingelte.
Ein ganz großes Dankeschön gebührt Christian Kretschmer und seiner
Frau Regina für die Ausrichtung unseres wunderschönen Sommertreffens.
Uneigennützig und mit viel Engagement sorgten sie dafür das es uns in
allen Belangen an nichts fehlte. Wir fühlten uns sehr, sehr wohl in
Jonsdorf und möchten noch einmal ganz groß DANKE sagen.